News vom 14.04.2016

Ortsdaten von zwei Apps reichen, um Nutzer zu identifizieren

Ein Artikel von , veröffentlicht am 14.04.2016

Eine neue Studie zeigt: Verschiedene Online-Profile können leicht auf ihren gemeinsamen Nutzer zurückgeführt werden. Auch wenn sie mit unterschiedlichen Pseudonymen geführt werden. Allein mit Metadaten können Nutzer de-anonymisiert werden.

[14.04.2016] Der Twitter-Acount von Max Mustermann und der Instagram-Account von Lisa Liebefrau gehören in Wirklichkeit beide Anton Anonymus? Mit einigen wenigen Veröffentlichungen auf beiden Konten, die jeweils Ortsinformationen enthalten, lässt sich das leicht herausfinden.

Das zeigten Wissenschaftler der Columbia Universität in New York und Mitarbeiter der Google-Forschungsabteilung Mitte Februar in ihrer neuen Studie. Sie verglichen dabei öffentliche Posts auf Twitter und Instagram, die mit einem sogenannten Geo-Tag versehen waren.

Fast alle sozialen Medien bieten ihren Nutzern an, Kommentare oder Bilder mit einer Ortsangabe zu versehen, einem Geo-Tag. Diese Funktion erfreut sich großer Beliebtheit. Darüberhinaus enthalten viele Bilder Meta-Daten, in denen der Ort der Aufnahme enthalten ist.

In der Studie konnten mit großer Genauigkeit verschiedene Konten verknüpft werden. Dabei war es nicht nötig, dass der Nutzer Inhalte gleichzeitig auf beiden Plattformen versendete. „Im Internet getrennte Identitäten zu nutzen, könnte eine Illusion sein“, sagte Mitautor Augustin Chaintreau von der Columbia University zu den Ergebnissen.

So verwenden Nutzer zum Beispiel auf LinkedIn und Xing in der Regel ihre echten Namen. Wer aber gleichzeitig einen vermeintlich anonymen Account auf einer Dating-Plattform wie Tinder betreibt, könnte leicht ein blaues Wunder erleben. Und das ganz ohne Hacks oder Datenlecks der Dienstbetreiber.

Welche Apps auf Ortsdaten zugreifen, und wie Mobilgeräte Ihren Aufenthaltsort bestimmen, erfahren Sie im Hintergrundtext Allgegenwärtig: Ortsbasierte Dienste.
Wie man die Sandort-Erfassung konfigurieren oder ganz abschalten kann, erklären wir in den Ratgebern Ortungsdienste einstellen (Android) und Ortungsienste auf iOS konfigurieren.

Die Autorin

E-Mail

m.ruhenstroth@mobilsicher.de

PGP-Key

0xAC27FCDCF277F1E4

Fingerprint

E479 C1CD 0FC9 E373 A4B3 F5DB AC27 FCDC F277 F1E4

Miriam Ruhenstroth

begleitet mobilsicher.de seit der Gründung – zuerst als freie Autorin, dann als Redakteurin. Seit Januar 2017 leitet sie das Projekt, das 2020 um den AppChecker erweitert wurde. Davor arbeitete sie viele Jahre als freie Technik- und Wissenschaftsjournalistin.

Weitere Artikel

Ratgeber 

Corona-Tracing aus Hannover: GeoHealthApp kurz vorgestellt

Die GeoHealthApp nutzt Standortdaten, um Kontaktketten nachzuvollziehen und mögliche Covid-19-Infizierte zu warnen. Die App ist in Deutschland als erste ihrer Art flächendeckend verfügbar. Wie zuverlässig die Anonymisierung der Standortdaten und Befunde funktioniert, ist schwer zu bewerten.

Mehr
Ratgeber 

Anleitung: Synchronisierung mit Google-Konto stoppen (bis Android 6)

In der Standard-Einstellung synchronisiert Android Kalender, Kontakte und mehr mit dem verknüpften Google-Konto. Wer seine Kontakte nicht mit Google teilen möchte, muss die Übertragung ausschalten. Wir zeigen Schritt für Schritt, wie es geht.

Mehr
Ratgeber 

Apps gecheckt: Liefer-Apps (Android)

Apps wie Lieferando, Wolt und Gorillas brauchen die Lieferadressen ihrer Kund*innen – doch zusätzlich erfassen sie zum Beispiel Telefonnummer und E-Mail-Adresse. Unsere Testreihe zeigt: Die Daten landen auch bei Analysediensten und Marketingfirmen.

Mehr
Ratgeber 

Was sind eigentlich Metadaten?

Wenn Sie mit dem Smartphone Nachrichten versenden oder Fotos machen, fallen mehr Daten an, als für Sie sichtbar sind. Was solche Metadaten verraten und warum sie oft mehr aussagen, als man denkt, erfahren Sie hier.

Mehr