News vom 13.11.2018

netID: Alternative zum Einloggen per Facebook

Ein Artikel von , veröffentlicht am 13.11.2018

Der Anmeldedienst netID will eine europäische Alternative zum bequemen Login per Facebook-Konto werden. Wie beim schon seit April bestehenden Dienst Verimi steht hinter netID eine Branchenallianz. netID und Verimi könnten die Datenmacht von Facebook reduzieren, stehen aber noch am Anfang.

Mit netID ist Ende letzter Woche der zweite deutsche Anbieter einer sogenannten Single-Sign-on-Lösung gestartet. Bei Online-Diensten, die netID in ihr Anmeldeformular integriert haben, können sich Nutzer per netID anmelden, ohne extra ein eigenes Konto zu registrieren.

Bisher loggten sich viele Nutzer über ihr Facebook-Profil ein. Über diesen Weg landeten deren Nutzungsdaten stets auch bei dem großen sozialen Netzwerk. Die Login-Allianz netID will sich in diesem Punkt als Alternative zu Facebook etablieren.

Bisher haben 60 Partnerseiten das Login-Feld von netID integriert. Dazu zählen Onlineportale der Fernsehgruppen ProSieben, Sat1 und RTL Deutschland, Webshops der Schweizer E-Commerce-Gruppe Calida und Portale der Ippen-Zeitungsgruppe (beispielsweise Merkur.de).

Nutzer, die bereits ein Konto Web.de oder Gmx haben, die E-Mail-Dienste des deutschen Internetkonzerns United Internet, sowie Nutzer mit einem Konto beim ProSiebenSat1-Anmeldedienst 7Pass können das jeweilige Profil auch als netID-Konto nutzen. Ein gänzlich neues netID-Konto lässt sich auf der Webseite netID.de anlegen oder auf den Webseiten der Partner.

Die Rechtsperson hinter netID ist die Stiftung European netID Foundation in der Rheinland-Pfälzischen Kleinstadt Montabaur, in der auch United Internet sitzt.

Datenflüsse via netID

Wenn ein Nutzer sich über sein netID-Profil bei einem neuen Dienst anmeldet, kann dieser Dienst, genau wie bei Facebook auch, bestimmte Daten aus dem NetID-Profil anfordern. Nutzer sehen die Daten, die übertragen werden sollen, beispielsweise den Namen, die Adresse und das Geburtsdatum. Anders als bei Facebook können Sie aber nicht selektiv die Übertragung bestimmter Informationen abwählen. Sie können nur den kompletten Login-Prozess abbrechen.

Sind bestimmte Informationen, die beispielsweise ein Webshop anfordert, noch nicht im netID-Profil enthalten, müssen Nutzer sie bei der Anmeldung nachreichen. Die neuen Daten, beispielsweise die Adresse oder das Geburtsdatum, landen dann auch im zentralen Datenstamm des netID-Kontos. Im „netID Privacy Center“ innerhalb des Profils können Nutzer die hinterlegten Daten einsehen und wieder entfernen.

Das Entfernen geht allerdings nicht bei allen Datentypen: in einem Test ließen sich die Adressinformationen löschen, Name und Geburtsdatum hingegen nicht. Diese Informationen ließen sich allerdings beliebig ändern.

Nutzer für Marketing identifizieren

Einen gemeinsamen Datenpool, auf den alle beteiligten Unternehmen einfach so zugreifen können, gebe es nicht, hat Jan Oetjen, Vorstand von United Internet und Vorsitzender des Stiftungsrats der European netID Foundation, in einem Interview mit dem Fachmagazin Adzine gesagt. Er sieht netID stattdessen als "Broker", der die Nutzerdaten zwischen den jeweils beteiligten Einzelpartnern teilt. Es steht den einzelnen Partnern aber frei, Profildaten untereinander auszutauschen.

Neben netID ist auch Verimi auf dem Markt

netID ist die bisher zweite große Login-Branchenallianz. Schon im April ging Verimi an den Start, zu den Partnern gehören die Deutsche Bahn, der Medienkonzern Axel Springer und die Deutsche Telekom. 2019 soll mit ID4me eine weitere Konkurrenz hinzukommen, zu den Gründungsmitgliedern gehören unter anderem die Genossenschaft Denic, die hinter der deutschen Internetendung .de steht. Für einen Überblick über die drei Modelle empfehlen wir den Golem-Artikel „Verimi, netID oder ID3me?“.

Bisher keine Zwei-Faktor-Authentifizierung

In puncto Datensicherheit hat netID bisher einen großen Nachteil gegenüber Facebook und Google. Diese bieten die Möglichkeit an, das eigene Konto per Zwei-Faktor-Authentifizierung zu schützen. Bei dieser Methode reicht für eine Anmeldung nicht nur das Passwort. Zusätzlich müssen Nutzer einen Code angeben, den sie von Facebook beziehungsweise Google auf ein anderes Gerät geschickt bekommen. Das schützt das Konto für den Fall, dass das Passwort in die Hände eines unbefugten Dritten gelangt.

Bisher bietet netID keine Zwei-Faktor-Authentifizierung an, Verimi hingegen schon.

Geschrieben von

Stefan Mey

Stefan Mey ist freier Autor für verschiedene spezialisierte IT-Magazine und für die Technologie-Ressorts IT-ferner Medien. Er interessiert sich für die Auswirkungen von Technologie auf Alltag, Gesellschaft und Politik. Vor allem hält er es für wichtig, die sich überschlagenden Entwicklungen im mobilen Internet fundiert und kritisch zu begleiten. Bis November 2018 hat er das mobilsicher-Team als Redakteur unterstützt.

Weitere Artikel

YouTube-Video 

Bezahldienst PayPal: Pro und Contra

Der Bezahldienst PayPal erspart Ihnen das Einrichten von Zahlungswegen in unterschiedlichen Online-Shops. Allerdings erhält der Dienstleister dabei auch sehr viele Informationen über Sie. Unser Video bietet eine kurze Pro-und-Contra-Liste als Entscheidungshilfe.

Ansehen
Ratgeber 

Tibor Kaputa von Simple Mobile Tools: „Es interessiert mich nicht, für ein Unternehmen zu arbeiten“

Der slowakische Entwickler Tibor Kaputa bietet Alternativen für viele Standard-Apps auf Android an: Für Kontakte, Kalender, Galerie und mehr. Seine “Simple Mobile Tools” sind privatsphärefreundlich und quelloffen. Inzwischen kann er davon leben, sagt Tibor im mobilsicher-Interview.

Mehr
Ratgeber 

Android Go – aktuelles Android für preisgünstige Geräte

Mit Android Go werden preisgünstige Smartphones sicherer. Die abgespeckte Variante des Betriebssystems Android 8 läuft auf Geräten mit wenig leistungsfähiger Hardware, die vorher meist nur mit veralteten Android-Versionen zu haben waren. Wir erklären die Stärken und Schwächen der Android-Sparversion.

Mehr
Ratgeber 

Qwant: Europäische Suchmaschine mit Firefox-Anteil

Die Suchmaschine Qwant setzt auf den quelloffenen Browser Firefox auf und nutzt dessen Funktionen zum Schutz vor Tracking. Der Unterschied: Qwants Server stehen in der Europäischen Union. Dafür bindet Qwant jedoch Nachrichten des Anteilseigners Axel-Springer-Verlag auf der Startseite ein.

Mehr