News vom 22.11.2018

Millionen SMS im Klartext zugänglich

Ein Artikel von , veröffentlicht am 22.11.2018

Über eine ungesicherte Datenbank waren mehrere Millionen SMS eines US-Anbieters öffentlich zugänglich – und im Klartext lesbar. Anders als viele Messenger-Texte sind SMS nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Deswegen sind SMS ein riskanter Kanal, um zum Beispiel Codes für die Zwei-Faktor-Authentifizierung zu versenden.

Der Berliner Sicherheitsforscher Sébastien Kaul ist auf eine ungeschützte Datenbank mit mehr als 26 Millionen SMS von Kunden des SMS-Dienstleisters Voxox gestoßen. Die SMS ließen sich nach Namen und Telefonnummern durchsuchen und die Inhalte lagen im Klartext vor.

Wie der Forscher rekonstruieren konnte, landeten die SMS beinahe in Echtzeit in der Datenbank. Das US-Unternehmen Voxox verschickt nach Firmenangaben SMS in 180 Länder.

Das US-Magazin TechCrunch, das die Geschichte aufgegriffen hatte, fand in einer nur flüchtigen Recherche auch verschiedene sicherheitsrelevante SMS-Inhalte, etwa:

  • ein Passwort, das der beliebte Datingdiest Badoo verschickt hatte
  • eine Lieferbenachrichtigung von Amazon
  • verschiedene Codes, die im Rahmen einer Zwei-Faktor-Authentifizierung für Google-Accounts verschickt wurden

Mit diesen Informationen hätten Angreifer beispielsweise Nutzerprofile einsehen und sie im schlimmsten Fall kapern können.

Das Unternehmen Voxox hat das Problem gegenüber dem IT-Portal Heise online eingeräumt:

Die Sicherheitslücke hätte es Unbekannten erlaubt, Zugriff auf SMS-Nachrichten zu bekommen, die von oder an unser Netzwerk geschickt wurden ….

Man habe die Lücke aber innerhalb weniger Minuten nach Bekanntwerden geschlossen. Zudem sei man „ zuversichtlich, dass keine Daten von einem böswilligen Dritten gesehen oder heruntergeladen wurden".

Fehlende Verschlüsselung bei SMS

Der Fall zeigt eine bekannte Schwäche von SMS auf: Sie sind standardmäßig nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Somit können Telekommunikationsunternehmen sie im Klartext einsehen - und das gilt auch für unbefugte Dritte, wenn diese über gezielte Hacks oder über ungesicherte Systeme an die Daten kommen.

Bei den meisten großen Messenger-Apps hingegen sind alle Nachrichten Ende-zu-Ende verschlüsselt. Das heißt: das Smartphone des Absenders verschlüsselt eine Nachricht, und nur das Gerät des legitimen Empfängers kann sie entschlüsseln. Auf der Datenbank des jeweiligen Messenger-Anbieters landet somit nur unverständlicher Zeichensalat.

Zwei-Faktor-Authentifizierung per App statt SMS

Für Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) ist SMS deswegen ein potenziell riskanter Kanal. Dennoch gehört dieser Weg zur Standardoption bei vielen Onlinediensten. Als Nutzerin oder Nutzer können Sie beispielsweise festlegen, dass Sie für ein Login in Ihr Google-, Apple- oder Facebook-Konto nicht nur das Passwort in den Browser eingeben müssen. Sie müssen als zusätzlichen Schritt einen Code eingeben, den Sie auf Ihr Smartphone erhalten. Oft geschieht das per SMS.

Immer öfter bieten Onlinedienste aber auch andere, besser geschützte Kanäle zur Authentifizierung an, etwa externe Apps wie „Google Authenticator“ oder „Duo Mobile“.

Geschrieben von

Stefan Mey

Stefan Mey ist freier Autor für verschiedene spezialisierte IT-Magazine und für die Technologie-Ressorts IT-ferner Medien. Er interessiert sich für die Auswirkungen von Technologie auf Alltag, Gesellschaft und Politik. Vor allem hält er es für wichtig, die sich überschlagenden Entwicklungen im mobilen Internet fundiert und kritisch zu begleiten. Bis November 2018 hat er das mobilsicher-Team als Redakteur unterstützt.

Weitere Artikel

Betrug und Phishing 

Die ICE-Erpresser

Es sind nicht immer bösartige Hacker mit spezieller Schadsoftware, die Mobilgerät-Nutzern Geld aus der Tasche ziehen. Auch ganz normale „Kleinkriminelle“, wie Diebe und Erpresser, haben Smartphones und Tablets als Angriffsziel für sich entdeckt.

Mehr
Ratgeber 

Sensoren im Smartphone geben Daten preis

Jedes neuere Smartphone besitzt verschiedene Messfühler. Diese Sensoren ermitteln zum Beispiel, wie das Handy gehalten wird, in welcher Höhe es sich befindet und vieles mehr. In Kombination lassen diese Messdaten weitreichende Rückschlüsse auf eine Person zu.

Mehr
App-Test 

Vorbildlich: Warnwetter, die App vom DWD

Die App „Warnwetter“ vom Deutschen Wetterdienst bietet alles, was man zur Wettervorhersage braucht. Das Beste: Werbung ist keine enthalten und Analytics-Module lassen sich vollständig deaktivieren. Fazit: Gute Alternative für ungetrübte Aussichten.

Mehr
Firewalls und VPNs 

Firewall ohne Root: So richten Sie die App ein (Android)

Mit der App "Firewall ohne Root" (früher: NoRoot Firewall) kann man kontrollieren, welche Verbindungen Apps ins Internet aufbauen. Die App bietet viele Filtermöglichkeiten, ist aber auch etwas unübersichtlich. Wir zeigen die wichtigsten Schritte zur Einrichtung.

Mehr