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Heimweg-Apps: Was bringen die digitalen Begleiter?

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Viele Menschen fühlen sich unsicher, wenn sie alleine unterwegs sind – vor allem spät abends in der Dunkelheit. Hilfe versprechen „Heimweg-Apps“, die virtuell begleiten. Eine gute Lösung – oder nur ein Geschäft mit der Angst? mobilsicher hat vier Produkte kritisch untersucht. Fazit: Nur eins davon bringt echte Vorteile.

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Handyortung · Standort
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Auf einen Blick

Heimweg-Apps: Ein zweischneidiges Schwert

Unsere Testreihe zum Thema Heimweg-Apps wurde angeregt durch Anfragen von Leser*innen und von Frauenberatungsstellen. Dem sind wir gerne nachgekommen – wer sich für eine solche App entscheidet, soll schließlich das beste Produkt wählen.

Unsere Redaktion steht der Verbreitung und Normalisierung solcher Produkte aber auch kritisch gegenüber. Bringen wir damit Frauen und Mädchen vielleicht gerade bei, sich abends nicht alleine auf die Straße zu trauen? Und dass es normal ist, sich ohne Begleitung unsicher zu fühlen? Ist es sinnvoll, dieses Problem mit Technik zu adressieren – und Firmen daran verdienen zu lassen?

Wer sich Begleitung auf dunklen Wegen wünscht, dem kann eine der folgenden Apps sicher helfen. Das Ziel sollte dennoch sein, dass jede Person sich ohne Angst frei bewegen kann – auch nachts und auch alleine.

Und jetzt zu den getesteten Apps:

WayGuard: Transparent und gut erreichbar

WayGuard ist kostenlos und bietet dabei einen guten Funktionsumfang. Hinter der App steht der Konzern AXA, der damit hauptsächlich für sein Image sorgen will, aber auch dezent Werbung für eigene Produkte schaltet.

WayGuard bietet einen 24-Stunden-Begleitservice für den Heimweg und beschäftigt dazu ein eigenes Team. Auch eine Notruffunktion ist enthalten. Wer öfter in dieser Situation ist und nicht jedes Mal Freunde bitten will, per App zu begleiten, bekommt hier einen echten Mehrwert. Die App funktioniert nur, wenn man die Telefonnummer von sich und der Begleitperson angibt.

Ärgerlich: Die App bindet Dienste von Facebook, Google und Microsoft ein und überträgt Daten an diese Firmen. Hier sollte AXA nachbessern. Immerhin macht AXA den Umgang mit personenbezogenen Daten in der Datenschutzerklärung transparent.

Unser Fazit: Eine PR-Aktion, von der alle etwas haben. Wer sich Begleitung wünscht, dem empfehlen wir diese App.

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Vivatar: Teurer Dienst mit Funktionsschwächen

Die App Vivatar wird von der Firma Bosch entwickelt. In der kostenlosen Basisversion kann man sich von Freund*innen begleiten lassen. In der Vollversion steht auch ein Hintergrundteam und eine Notruffunktion zur Verfügug – allerdings für 4,99 Euro monatlich. Hier gibt es deutlich kostengünstigere Alternativen.

Der kostenlose Begleitservice funktionierte im Test leider nicht. Bosch bewirbt in der App weitere teurere Sicherheitsprodukte, zum Beispiel einen Notfallknopf. Die App funktioniert nur, wenn man die Telefonnummer von sich und der Begleitperson angibt.

Kritisch: Wie sich Basis- und Vollversion unterscheiden, wird innerhalb der App nicht klar. Auch bleibt unklar, ob und wie die Daten von Nutzer*innen und deren Kontakten gespeichert werden.

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Glympse: Praktisch, aber nicht sehr sicher

Die App Glympse stellt das US-amerikanischen Unternehmen Glympse Inc. kostenlos zur Verfügung. Geld verdient die Firma mit Produkten für Unternehmen. Glympse lässt sich ohne Nutzer*innenprofil und ohne Telefonnummer nutzen.

Leider birgt der Dienst zwei Sicherheitsrisiken: Standortinformationen sind für jeden zugänglich, der im Besitz eines Links ist. Dieser wird standardmäßig per SMS verschickt. Mit unseren Tipps können Sie Glympse zumindest etwas sicherer nutzen.

Kritisch: Der Dienst speichert die Daten von Kontakten und Inhalte von Nachrichten – dies wird bei der Nutzung nicht klar. Immerhin informiert er in der (englischsprachigen) Datenschutzerklärung darüber. Ärgerlich: Glympse bindet Dienste von Facebook und Google ein und überträgt Daten an diese Firmen.

Fazit: Wer sich begleiten lassen will, ohne dass der*die Begleitende eine App installieren muss, findet hier eine einfache Lösung. Wer öfter Begleitung benötigt, dem empfehlen wir die sicherere Lösung WayGuard.

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KommGutHeim: Veraltet und disfunktional

Am schlechtesten schnitt in unserer Testreihe die App KommGutHeim ab. Die App wurde 2013 von Regensburger Student*innen entwickelt und wurde seit 2017 nicht mehr aktualisiert.

In unserem Test funktionierte an verschiedenen Tagen und nach Neuinstallation der App noch nicht einmal das Hinzufügen von Kontakten – damit ist KommGutHeim nicht einsatzbereit und kann von der Liste verfügbarer Heimweg-Apps gestrichen werden.


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