Dieses Projekt wurde am 31.12.2024 beendet. Der Beitrag ist auf dem Stand des letzten Update-Datums und wird nicht mehr aktualisiert oder überprüft.
News vom 23.01.2019

Gebets-App von Papst Franziskus: Facebook betet mit

Ein Artikel von Miriam Ruhenstroth, veröffentlicht am 23.01.2019

Seit letzter Woche ist die offizielle Gebets-App des Papstes auch in Deutschland verfügbar. Gläubige können sich damit unter anderem an die Gebetszeiten von Papst Franziskus erinnern lassen. Respekt vor der Privatsphäre zeigt die App jedoch nicht: Wann immer man sie öffnet, erfährt auch Facebook davon.

Seit letzter Woche können sich ChristInnen auch in Deutschland per Smartphone-App mit dem offiziellen Gebets-Netzwerk des Papstes verbinden. Unter anderem schickt die App dreimal am Tag Gebetserinnerungen.

Die App Click-to-Pray kann im Play-Store über 100.000 Downloads verbuchen und steht auch für iOS zur Verfügung.

Für das Seelenheil mag diese App förderlich sein, für die Privatsphäre der NutzerInnen ist sie alles andere als heilsam. Das musste der IT-Experte Mike Kuketz bei einem ersten Test der App feststellen.

„Bisher bin ich immer davon ausgegangen, Beten sei etwas sehr persönliches, sozusagen ein direkter 'Draht' zu Gott. In der digitalen Welt scheint dies nicht mehr zu gelten – bei jedem Gebet sind auch Facebook und Konsorten involviert", so der IT-Spezialist Mike Kuketz auf seinem Blogeintrag zur App.

Nutzungsgewohnheiten mit Facebook geteilt

Tatsächlich schreckt die offizielle Gebets-App von Papst Franziskus nicht davor zurück, unter anderem ein Tracking-Werkzeug von Facebook mit einzubinden. Dies gilt zumindest für die Android-App, die Mike Kuketz getestet hatte.

Das bedeutet: Sobald ein Nutzer die App öffnet, nimmt diese Kontakt zu Facebook auf und überträgt eine Kennnummer (die Werbe-ID) des Nutzers und dass er gerade die Gebets-App verwendet.

Diese Daten sind in der Regel nicht anonym, denn Facebook kann sie einem bestehenden Facebook-Profil zuordnen. Facebook verwendet Informationen aus Apps, um interessensbasierte Werbung zu schalten.

Wie Facebook Informationen aus Apps sammelt und zuordnet, erklären wir im Beitrag Facebooks unsichtbare Datensammlung.

Datenschutz schändlich vernachlässigt

Zu allem Überfluss ist der Link zur Datenschutzerklärung in Googles Play-Store nicht erreichbar. In der Datenschutzerklärung, die auf der Webseite https://clicktopray.org zu finden ist, kommt der Name Facebook nicht vor.

Damit lässt der Vatikan den nötigen Respekt vor der Privatsphäre und den religiösen Gefühlen der Gläubigen vermissen.

Wie Sie sich vor Tracking innerhalb von Apps schützen können, erklären wir im Beitrag Tracking in Apps: Das können Sie tun.

Weitere Artikel

Ratgeber 

Apps gecheckt: Die Lügen der Systemreiniger (Android)

So genannte Cleaner-Apps für Android versprechen, das Smartphone auszumisten und damit schneller zu machen. In Wirklichkeit sind sie oft eine Plage oder richten sogar Schaden an. Wir haben 18 Apps geprüft und können nur zwei empfehlen.

Mehr
Hintergrund 

So messen wir den Stromverbrauch von Apps

Um herauszufinden, wie stark verschiedene Apps die Übertragungsinfrastruktur beanspruchen und damit Energie verbrauchen, haben wir ein Testverfahren entwickelt. Hier erklären wir es.

Mehr
YouTube-Video 

App-Tipp: Zwischenablage leeren mit „Clipeus“ (Android)

Sämtliche Apps können auf die Zwischenablage zugreifen – jederzeit und ohne dass man es merkt. Doch das Löschen der Zwischenablage dauert nur eine halbe Sekunde, wenn Sie die quelloffene App "Clipeus" auf Ihren Homescreen legen.

Ansehen
Ratgeber 

Apps des Monats – die spannendsten im Juli

Ein Messenger taucht aus der Versenkung auf und endlich gibt es eine gute Firewall fürs iPhone. Außerdem neu: Frische Infos zu den Bezahldiensten von Google und Apple und eine blitzsaubere Fitness-App.

Mehr