News vom 17.05.2018

FinFisher: deutsche Spionagesoftware in der Türkei?

Ein Artikel von , veröffentlicht am 17.05.2018

Haben türkische Behörden mit Hilfe deutscher Software die Oppostion ausspioniert? Diese Frage wirft ein Bericht von Access Now auf. Die Nichtregierungsorganisation hat ein Schadprogramm für Handys entdeckt, das Unbekannte über soziale Medien gezielt an Kritiker der türkischen Regierung verteilen wollten.

Update [18.05.2018] Die Türkei hat die Vorwürfe mittlerweile zurückgewiesen: "Von einer Software, die wir gekauft oder inoffiziell beschafft und verwendet haben oder einer Spionage-Software kann keine Rede sein", sagte der türkische Transport- und Kommunikationsminister Ahmet Arslan am Donnerstag nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

Wie Access Now in der Analyse berichtet, haben unbekannte Urheber die Spionagesoftware in den Jahren 2016 und 2017 per Twitter und Facebook verteilt. Die Tweets und Facebook-Nachrichten verlinkten unter anderem auf eine Webseite, die sich als offizielle Onlinepräsenz des oppositionellen „Marsch für Gerechtigkeit“ ausgab. Auf dieser Webseite stand eine App zum Download bereit. Bei der handelte es sich jedoch um eine Spionagesoftware für Smartphones.

Eine gefährliche App

Nach Erkenntnissen von Access Now ermöglichte das Schadprogramm den Angreifern unter anderem:

  • das Ausspionieren von Telefonie- oder Videoanrufen und Bildschirminhalten
  • das Abgreifen von Dateien, Standinformationen und Adressbüchern
  • das Ausspionieren der Umgebung durch Aktivieren des Gerätemikrofons
  • das Auslesen von Messengern wie Signal, WhatsApp, Skype, Facebook Messenger und Telegram

Spyware made in Germany

Die US-Organisation hat einen Einsatz der FinSpy-Software auch in den Ländern Ukraine, Venezuela und Indonesien beobachtet.

Die FinFisher GmbH hat ihrer Hauptsitz in München. Nach eigener Darstellung liefert das Unternehmen seine Spionagesoftware ausschließlich an Regierungen und Behörden.

FinFisher steht immer wieder in der Kritik, weil das Unternehmen Spionagesoftware auch an Regierungen von Ländern liefert, in denen Menschenrechte nicht nach westlichen Standards garantiert sind.

Kritik gibt es auch, weil das Unternehmen für das deutsche Bundeskriminalamt den sogenannten Bundestrojaner erstellt haben soll.

Die Autorin

E-Mail

m.ruhenstroth@mobilsicher.de

PGP-Key

0xAC27FCDCF277F1E4

Fingerprint

E479 C1CD 0FC9 E373 A4B3 F5DB AC27 FCDC F277 F1E4

Miriam Ruhenstroth

Projektleiterin. Miriam Ruhenstroth hat mobilsicher.de seit Beginn des Projektes begleitet – zuerst als freie Autorin, später als Redakteurin. Seit Januar 2017 leitet sie das Projekt. Davor arbeitete sie viele Jahre als freie Technik- und Wissenschaftsjournalistin.

Weitere Artikel

YouTube-Video 

Corona-Warn-App: Nutzen oder nicht?

Die Idee hinter der neuen Corona-Warn-App: Wer positiv auf Covid-19 getestet wurde, kann dies melden und so andere Nutzer*innen warnen. Im Vorfeld wurde der Datenschutz heiß diskutiert - wie schneidet die App nun ab?

Ansehen
YouTube-Video 

Navi-App Magic Earth im Test: Empfehlenswert

Kostenlos, werbefrei mit top Kartenmaterial und vielen coolen Funktionen: So macht Navigieren auf dem Handy Spaß. Das Beste: Ihre Daten bleiben vollständig bei Ihnen - Magic Earth trackt nicht und speichert keine Informationen über Nutzer. Wir sagen: empfehlenswerte Alternative zu Google Maps.

Ansehen
YouTube-Video 

E-Mail-App K-9 Mail einrichten: So geht’s! (Android)

K-9 Mail ist eine App, in der Sie Ihre E-Mails abrufen und verwalten können. Wir empfehlen K-9 Mail, da die App vorbildlich mit Ihren Daten umgeht. Hier erfahren Sie Schritt für Schritt, wie Sie sie einrichten und Ihre Postfächer hinzufügen.

Ansehen
App-Test 

Fruchtbarkeits-App Lady Cycle: Empfehlenswert (Android)

Die Fruchtbarkeits-App Lady Cycle bestimmt die fruchtbaren Tage der Nutzerin mit der NFP-Methode. Ein Schweizer Entwicklerteam finanziert die App privat und mit Spenden, um sie kostenlos und werbefrei anbieten zu können. Alle Daten der Nutzerin verbleiben auf dem Gerät. Vorbildlich!

Mehr