Dieses Projekt wurde am 31.12.2024 beendet. Der Beitrag ist auf dem Stand des letzten Update-Datums und wird nicht mehr aktualisiert oder überprüft.
News vom 17.05.2018

FinFisher: deutsche Spionagesoftware in der Türkei?

Ein Artikel von Stefan Mey, veröffentlicht am 17.05.2018

Haben türkische Behörden mit Hilfe deutscher Software die Oppostion ausspioniert? Diese Frage wirft ein Bericht von Access Now auf. Die Nichtregierungsorganisation hat ein Schadprogramm für Handys entdeckt, das Unbekannte über soziale Medien gezielt an Kritiker der türkischen Regierung verteilen wollten.

Update [18.05.2018] Die Türkei hat die Vorwürfe mittlerweile zurückgewiesen: "Von einer Software, die wir gekauft oder inoffiziell beschafft und verwendet haben oder einer Spionage-Software kann keine Rede sein", sagte der türkische Transport- und Kommunikationsminister Ahmet Arslan am Donnerstag nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

Wie Access Now in der Analyse berichtet, haben unbekannte Urheber die Spionagesoftware in den Jahren 2016 und 2017 per Twitter und Facebook verteilt. Die Tweets und Facebook-Nachrichten verlinkten unter anderem auf eine Webseite, die sich als offizielle Onlinepräsenz des oppositionellen „Marsch für Gerechtigkeit“ ausgab. Auf dieser Webseite stand eine App zum Download bereit. Bei der handelte es sich jedoch um eine Spionagesoftware für Smartphones.

Eine gefährliche App

Nach Erkenntnissen von Access Now ermöglichte das Schadprogramm den Angreifern unter anderem:

  • das Ausspionieren von Telefonie- oder Videoanrufen und Bildschirminhalten
  • das Abgreifen von Dateien, Standinformationen und Adressbüchern
  • das Ausspionieren der Umgebung durch Aktivieren des Gerätemikrofons
  • das Auslesen von Messengern wie Signal, WhatsApp, Skype, Facebook Messenger und Telegram

Spyware made in Germany

Die US-Organisation hat einen Einsatz der FinSpy-Software auch in den Ländern Ukraine, Venezuela und Indonesien beobachtet.

Die FinFisher GmbH hat ihrer Hauptsitz in München. Nach eigener Darstellung liefert das Unternehmen seine Spionagesoftware ausschließlich an Regierungen und Behörden.

FinFisher steht immer wieder in der Kritik, weil das Unternehmen Spionagesoftware auch an Regierungen von Ländern liefert, in denen Menschenrechte nicht nach westlichen Standards garantiert sind.

Kritik gibt es auch, weil das Unternehmen für das deutsche Bundeskriminalamt den sogenannten Bundestrojaner erstellt haben soll.

Weitere Artikel

Hintergrund 

So messen wir den Stromverbrauch von Apps

Um herauszufinden, wie stark verschiedene Apps die Übertragungsinfrastruktur beanspruchen und damit Energie verbrauchen, haben wir ein Testverfahren entwickelt. Hier erklären wir es.

Mehr
Ratgeber 

Video-Chat: 12 beliebte Dienste und Geheimtipps

Sie suchen einen bezahlbaren, einfachen Dienst für Video-Telefonie, bei dem Ihre Daten sicher sind? Wir haben zehn bekannte und weniger bekannte Anbieter für Sie geprüft. Die Vor- und Nachteile von zehn Diensten im Überblick.

Mehr
Ratgeber 

Alte Handys clever (nach)nutzen: 2-Faktor-Authentifizierung

Klappt auch, wenn das Handy gar nicht mit dem Internet verbunden ist. Deswegen finden wir die Idee so toll für das typische Schubladenhandy.

Mehr
Ratgeber 

Social-Media-App TikTok kurz vorgestellt

Im sozialen Netzwerk TikTok können Nutzer*innen Selfie-Videos hochladen. Die App startete mit Musik, inzwischen gibt's auch Inhalte zu Comedy, Reisen und mehr. Bei Jugendschutz und Datensicherheit stand TikTok oft in der Kritik. Ein Überblick.

Mehr