News vom 05.02.2018

Bundestrojaner: Spionage-App einsatzbereit

Ein Artikel von , veröffentlicht am 05.02.2018

Nach Medienberichten wird das Bundeskriminalamt zur Überwachung von Mobilgeräten ein Produkt der umstrittenen Firma „FinFisher“ einsetzen. Mit der Software sollen auch Chats in verschlüsselten Messenger-Apps abhörbar sein.

Der Bundestrojaner für Mobilgeräte namens FinSpy ist nach Aussagen verschiedener Medien mittlerweile einsatzbereit.

Laut gemeinsamen Berichten eines Rechercheverbunds von Süddeutscher Zeitung, WDR und NDR kommt er auch schon zum Einsatz - ein jüngerer Artikel der Tageszeitung Welt bestritt das allerdings. Laut Welt hat das Innenministerium dem Bundeskriminalamt am 10. Januar aber zum ersten Mal die Verwendung des Programms in einem Ermittlungsverfahren genehmigt.

Staatliche Schadware

Aus Nutzersicht handelt es sich bei FinSpy um ein Schadprogramm: Behörden laden die Software ohne Wissen des Besitzer auf deren Geräte. FinSpy kann dann angeblich Chats in Messenger-Apps wie WhatsApp, Signal oder Telegram ausspionieren. Allerdings kann das Programm die Verschlüsselung der Apps nicht brechen. Es arbeitet mit einer anderen Methode: in den Berichten von SZ, WDR und NDR hieß es, dass FinSpy heimlich Screenshots macht und diese an die Datenbanken der Behörde schickt.

Die Software stammt von der Münchener FinFisher GmbH. Die Firma steht schon lange in der Kritik. Immer wieder soll sie Spionare-Software an autoritäre Regierungen im Ausland verkauft haben. Zudem kaufen professionelle Hacker-Firmen wie FinFisher neu entdeckte Schwachstellen in Betriebssystemen für viel Geld auf. Das verstärkt den Anreiz für die Entdecker solcher Schachstellen, sie nicht zu veröffentlichen, damit sie schnell geschlossen werden, sondern sie lieber zu verkaufen. Dadurch wird das Internet für alle Nutzerinnen und Nutzer unsicherer.

Das Bundeskriminalamt entwickelt parallel auch einen eigenen Trojaner namens Remote Control Interception Software (RICS). Dessen erste Version ist seit Februar 2016 freigegeben. Er kann allerdings ausschließlich Skype-Konversation auf Geräten mit Windows-Betriebssystemen überwachen. Zur Zeit arbeitet die Polizeibehörde an einer zweiten Version mit größerem Funktionsumfang.

Politisch umkämpftes Feld

Bürgerrechtler halten staatliche Überwachungssoftware, die im Behördenjargon Software zur Quellen-TKÜ (Quellen-Telekommunikationsüberwachung) heißt, für problematisch. Sie kritisieren einen zu starken Eingriff in Grundrechte der überwachten Personen.

Der deutsche Bundestag hatte mit einer Entscheidung im Juni 2017 die Anwendung eines Bundestrojaners für sogenannte schwere Straftaten wie Mord, aber auch für Betrugs- und Computerbetrugsdelikte möglich gemacht.

Geschrieben von

E-Mail

mey@jb-schnittstelle.de

PGP-Key

0x3D753571A5FEF1F4

Fingerprint

89A8 1651 BB1F 49E0 7F6E 610D 3D75 3571 A5FE F1F4

Stefan Mey

Stefan Mey ist freier Autor für verschiedene spezialisierte IT-Magazine und für die Technologie-Ressorts IT-ferner Medien. Er interessiert sich für die Auswirkungen von Technologie auf Alltag, Gesellschaft und Politik. Vor allem hält er es für wichtig, die sich überschlagenden Entwicklungen im mobilen Internet fundiert und kritisch zu begleiten. Bis November 2018 hat er das mobilsicher-Team als Redakteur unterstützt.

Weitere Artikel

Kostenfallen 

Unbekannte Kosten auf der Handyrechnung

Wenn auf der Handyrechnung plötzlich Kosten auftauchen, von denen man nicht weiß, woher sie kommen, ist guter Rat teuer. Denn nicht selten stecken professionelle Betrüger dahinter. Was kann man gegen solche Forderungen tun? Wie können Nutzer vorbeugen?

Mehr
Ratgeber 

Android ohne Google – geht das?

Smartphones mit dem Betriebssystem "Android" sind eng mit Google verbunden. Wer diese Verbindung konsequent kappen will, muss entweder auf wichtige Funktionen verzichten, oder einen tiefen Eingriff vornehmen, den man Rooten nennt.

Mehr
YouTube-Video 

iOS 11: Polizeitaste und Tracking-Schutz

Seit dem 19. September 2017 ist die neueste Version von Apples Betriebssystem iOS verfügbar und wird an iPhones und iPads verteilt. Auch in Sachen Sicherheit und Privatsphäre gibt es wieder einige Neuigkeiten – wir stellen Ihnen die wichtigsten vor.

Ansehen
App-Test 

Navi-Apps im Check: Komoot – Fahrrad, Wander & Mountainbike Navi

Komoot berechnet Routen speziell für Radfahrer, Wanderer und Läufer. Die Basisversion der App ist kostenlos, weitere Funktionen können dazu gekauft werden. In Sachen Datenschutz schneidet die App aber nicht gut ab: Standortdaten speichert der Dienst dauerhaft und auch Facebook erhält Nutzerdaten.

Mehr