News vom 13.05.2016

Beliebte Lauf-App spioniert auch nach Beenden

Ein Artikel von , veröffentlicht am 13.05.2016

Die kostenlose Android-App „Runkeeper“ zeichnet Distanzen und Schrittzahl auf, um das Lauf-Training zu erleichtern. Sie tut dies aber auch nach dem Beenden der App und sendet die Daten an Dritte. Das deckten Verbraucherschützer in Norwegen auf.

Sie ist eine der bekanntesten Lauf-Apps für Sportbegeisterte und wird auf einschlägigen Foren wohlwollend besprochen. Runkeeper zeichnet nicht nur zurückgelegte Strecken und Höhenmeter auf, sie kann auch verschiedene Sportarten unterscheiden, Trainingspläne verwalten und die gesammelten Daten analysieren.

Was die meisten Nutzer nicht wissen: Die App sammelt auch dann weiter Daten, wenn sie gar nicht benutzt wird. Das deckten Mitarbeiter der Norwegischen Forschungsinstitution SINTEF im Rahmen einer Studie auf, bei der zwanzig beliebte Apps getestet wurden. Die Ergebnisse gelten für die Android-Variante der App.

Die staatliche Verbraucherschutzorganisation „Norwegian Consumer Council“ hatte die Studie in Auftrag gegeben. Besonders dreist: Über die Datensammelpraxis steht kein Wort in der Datenschutzerklärung der App, es wird keine Zustimmung des Nutzers eingeholt.

„Das ist nicht nur eine Verletzung der Datenschutzgesetze“, sagt Finn Myrstad, der technische Direktor des Consumer Council in der Pressemeldung. „Wir sind auch überzeugt, dass die Nutzer nicht in dieser Weise getrackt werden wollen.“

Zudem ist unklar, ob die aufgezeichneten Daten regelmäßig und unaufgefordert gelöscht werden, zum Beispiel wenn das Nutzerkonto aufgelöst wird.

Der Consumer Council bereitet nun eine Beschwerde vor der norwegischen Datenschutzbehörde vor, wegen Verletzung von norwegischen und europäischen Datenschutzgesetzen.

Der Fall zeigt einmal mehr, dass App-Tests und Rezensionen, die nur Benutzeroberfläche und Funktionalität betrachten, keinerlei Aussagen über Seriosität und Sicherheit einer App machen können.

Nur wer einem Programm auch technisch unter die Haube schaut, wie es zum Beispiel unser Autor Mike Kuketz in den App-Rezensionen für mobilsicher.de tut, kann halbwegs zuverlässig sagen, ob eine App vertrauenswürdig ist oder nicht.

Alle Testberichte von Mobilsicher, und weitere Infos dazu, wie unsere Tests durchgeführt werden, finden Sie in unserer Rubrik App-Tests.

Die Autorin

E-Mail

m.ruhenstroth@mobilsicher.de

PGP-Key

0xAC27FCDCF277F1E4

Fingerprint

E479 C1CD 0FC9 E373 A4B3 F5DB AC27 FCDC F277 F1E4

Miriam Ruhenstroth

begleitet mobilsicher.de seit der Gründung – zuerst als freie Autorin, dann als Redakteurin. Seit Januar 2017 leitet sie das Projekt, das 2020 um den AppChecker erweitert wurde. Davor arbeitete sie viele Jahre als freie Technik- und Wissenschaftsjournalistin.

Weitere Artikel

Ratgeber 

Plaudernde App-Listen: App-Spionage leicht gemacht

Jede Android-App kann sehen, welche anderen Apps auf einem Smartphone installiert sind. Bei iOS ist eine ähnliche Abfrage möglich. Diese Information kann sehr aussagekräftig sein und Privates offenbaren – wie die sexuelle Orientierung, die politische Ausrichtung oder die Religion einer Person.

Mehr
Ratgeber 

KeePass2Android: Passwort-Manager kurz vorgestellt

Passwort-Manager helfen, verschiedene sichere Passwörter im Alltag zu verwalten. Wir empfehlen dafür KeePass, da Sie damit die volle Kontrolle über Ihre Zugangsdaten behalten. Es gibt das Programm für Computer und Smartphones.

Mehr
YouTube-Video 

Google Pay: Wenn, dann mit dieser Einstellung

Wir können von Google Pay nur abraten. Wer den Bezahldienst aber nutzt, sollte unbedingt von einer Widerspruchsmöglichkeit Gebrauch machen. Im Google-Zahlungscenter können Sie den Datenaustausch mit Dritten verbieten. Wir zeigen, wie es geht.

Ansehen
Ratgeber 

Android 8 (Oreo): Das ist neu bei Sicherheit und Datenschutz

Die neue Android-Version bringt weniger neue Funktionen mit als ältere Versionen. Google hat sich stattdessen auf Verbesserungen im Bereich Sicherheit und Datenschutz konzentriert. Besonders Nutzer alternativer App-Stores dürften sich freuen.

Mehr