Dieses Projekt wurde am 31.12.2024 beendet. Der Beitrag ist auf dem Stand des letzten Update-Datums und wird nicht mehr aktualisiert oder überprüft.
News vom 06.01.2019

Auch iOS-Apps senden unbemerkt Daten an Facebook

Ein Artikel von Miriam Ruhenstroth, veröffentlicht am 06.01.2019

Wie mobilsicher.de und Privacy International im Dezember berichteten, senden erschreckend viele Android-Apps sensible Nutzerdaten an Facebook, sobald man sie startet. Die Datenübertragung ist für den Nutzer nicht erkennbar und schwer zu unterbinden. Eine Folgeuntersuchung zeigt nun: Auch die iOS-Versionen der getesteten Apps sind betroffen.

Mindestens 30 Prozent aller Android-Apps senden unbemerkt Daten an Facebook, sobald man sie startet. Das berichtete mobilsicher.de in einer umfangreichen Recherche, die am 13.12.2018 veröffentlicht wurde.

Facebook erfährt dabei mindestens den Namen der benutzten App und die Werbe-ID des Nutzers. Über diese eindeutige Kennnummer kann Facebook die Informationen einem Facebook-Konto zuordnen und detailreiche Interessensprofile anlegen. Denn viele Apps verraten allein durch die Tatsache, dass man sie nutzt, möglicherweise heikle Details. Zum Beispiel Apps mit Religionsbezug, mit Bezug zu bestimmten Krankheiten (Migräne, Diabetes, Depression), Suchtverhalten (Rauchen) oder politischer Gesinnung (Apps von politischen Parteien, konkret von CDU und SPD).

Studie von Privacy International bestätigt Ergebnisse

Ende Dezember legte die gemeinnützige Organisation Privacy International mit einer eigenen Studie (PDF, 448 KB) nach und bestätigte darin die Ergebnisse und Schlussfolgerungen von mobilsicher.de. Die Aktivisten aus London hatten insgesamt 34 Android-Apps getestet, von denen 23 beim Start Kontakt zu Facebook aufnahmen.

Nicht überraschend: Auch iOS-Apps sind betroffen

Nun hat mobilsicher.de auch die iOS-Versionen der Android-Apps untersucht, die in der ersten Veröffentlichung getestet wurden. Wie zu erwarten war, bauen auch diese Apps sofort beim Start eine Verbindung zu Facebook auf und übertragen den App-Namen und die Werbe-ID von Apple, „Identifier for Advertising" (IDFA) genannt.

Ausnahmen waren die Apps „Moodpath“, „Meine CDU“ und „Schwangerschaft+“, welche nach der Berichterstattung im Dezember das Facebook-SDK in den Android-Apps deaktiviert hatten und dies vermutlich auch bei den iOS-Versionen getan haben. Es ist zu vermuten, dass auch außerhalb dieser kleinen, nicht repräsentativen Stichprobe, der Anteil der iOS-Apps mit Facebook-Modul ähnlich groß ist, wie bei Android-Apps.

Diese iOS-Apps haben wir getestet:

  • Muslim Pro, Muslimische Gebets-App, Version 9.8.4
  • Bibel, Bibel-App, Version 8.7.1
  • ForDiabetes, Diabetes-Tagebuch, Version 1.9.2
  • OKCupid, Dating-App, Version 25.0.0
  • Curvy, Dating-App für Frauen mit Kurven, Version 1.0
  • Grindr, Dating- und Chat-App für Schwule, Version 4.6.1
  • Tinder, Dating-App, Version 10.4.0
  • Migraine Buddy, Migräne-Tagebuch, Version 26.1.0
  • Kwit, App, die hilft, mit dem Rauchen aufzuhören, Version 4.0.2.1
  • Schwangerschaft+, Schwangerschaftsbegleiter, Version 5.1.8. Facebook-Modul vorhanden, aber deaktiviert
  • Moodpath, Depressionsbegleiter, Version 2.7.1, Facebook-Modul nicht vorhanden

Wie kann man sich schützen?

Unter Android empfehlen wir, vor der Installation zu prüfen, ob eine App Facebook eingebunden hat. Das ist zum Beispiel in der Datenbank der gemeinnützigen Organisation Exodus Privacy oder des Forschungsprojektes AppCensus zu sehen. Blockieren können Sie den Datenstrom mit verschiedenen Apps. Die besten haben wir hier zusammengestellt.

Unter iOS sieht es mit der digitalen Selbstverteidigung schon schwieriger aus. Hier gibt es keine Datenbank mit getesteten Apps, in der man Informationen vor der Installation nachschlagen könnte. Auch eine App zum Blockieren einzelner Datenströme können wir derzeit nicht empfehlen. Hinweise sind willkommen.

Warum so viele Apps Verbindung mit Facebook aufnehmen und wer dafür verantwortlich ist, erfahren Sie in unserem Beitrag Facebooks unsichtbare Datensammlung.

 

Weitere Artikel

Ratgeber 

Interaktions-App Padlet im Test

Mit Padlet können Lehrer*innen für ihre Klassen digitale Pinnwände erstellen und sie zur gemeinsamen Bearbeitung teilen. Die App bindet mehrere Drittanbieter ein, mindestens einer davon erhielt in unserem Test Daten, die Nutzer*innen identifizieren können.

Mehr
Ratgeber 

Online-Banking mit Smartphone und Tablet

Das eigene Bankkonto von unterwegs aus verwalten, Rechnungen bezahlen, Überweisungen prüfen? Das geht schon längst - mit dem Smartphone oder Tablet. Doch wie sicher ist der Bankbesuch per Handy? Wir erklären wo die größten Risiken lauern und wie Sie diese in den Griff bekommen.

Mehr
Ratgeber 

Wie sicher ist Bezahlen per NFC?

Kontaktloses Bezahlen an der Kasse funktioniert fast überall - per Bankkarte oder per Handy. In manchen Punkten ist eine NFC-App sogar sicherer als eine EC- oder Kreditkarte. In unserem Ratgeber erfahren Sie, worauf Sie beim Bezahlen mit dem Handy achten sollten.

Mehr
Ratgeber 

Android ohne Google – wie geht das?

Wer ein Android-Gerät in Betrieb nimmt, wird aufgefordert, die Nutzungsbedingungen von Google zu akzeptieren und ein Google-Konto einzurichten. Von diesem Moment an fließen Nutzungsdaten an den Konzern. Geht es auch anders?

Mehr