News vom 26.02.2018

Anbieter von Spy-Apps erneut gehackt

Ein Artikel von , veröffentlicht am 26.02.2018

Die Industrie für Überwachungs-Software boomt – auch an Privatnutzer werden die zweifelhaften Produkte hemmungslos vermarktet. Zwei Hacker hatten der nach ihrer Ansicht verwerflichen Branche letztes Jahr den Kampf angesagt. Nun schlugen sie erneut zu und veröffentlichten massenhaft Daten von Nutzern und überwachten Geräten.

Drei Hersteller von Spionage-Apps wurden allein diesen Februar erfolgreich angegriffen, wie das Technik-Magazin Motherboard berichtet. Betroffen sind die Firmen "Mobistealth", "Spy Master Pro" und Retina-X - letztere wurde vor fast genau einem Jahr schon einmal gehackt.

Mehrere Hacker hatten der Industrie letztes Jahr den Kampf angesagt. "Diese Werkzeuge erleichtern und ermöglichen fürchterlichen Missbrauch und verstärken massiv das Machtungleichgewicht in Beziehungen", so der Hacker namens "Leopard Boy" zu seinen Motiven. Daraus folgt für ihn: "Ich werde sie [die Industrie A.d.R] in Schutt und Asche legen".

Auch Militärs und Polizisten nutzen Spy-Apps

Damals war neben Retina-X auch der bekannte Hersteller FlexySpy angegriffen worden. Der aktuelle Hack zeigt nicht nur erneut, wie unsicher die Hersteller die Daten ihrer Kunden und die Daten der überwachten Telefone verwalten. Die Daten geben auch Auskunft darüber, wer solche Apps nutzt. So waren unter den Kundenadressen auch viele dabei, die sich dem US-Militär und dem FBI zuordnen ließen.

Unter Spy-Apps versteht man Apps, mit denen man Informationen wie Standort oder Chat-Nachrichten von einem anderen Smartphone per Fernzugriff auslesen kann. Es ist verboten, solche Apps ohne Zustimmung des Besitzers auf seinem Gerät zu installieren.

Spy-Apps bei Stalkern beliebt

Offiziell werden die Apps zur Kontrolle von Kindern oder Mitarbeitern vermarktet. Einige der Hersteller werben aber ganz unverholen damit, dass die App geeignet sei, um zum Beispiel den Partner beim Fremdgehen zu ertappen. Deshalb werden solche Apps auch als Stalker-Apps oder Stalkerware bezeichnet. Auch in Fällen von häuslicher Gewalt und Stalking kommen diese Produkte mehr und mehr zum Einsatz.

Sie wollen Ihrem Kind ein Handy schenken? Im Ratgeber Handy für Kinder einrichten geben wir Tipps. Spy-Apps gehören übrigens ausdrücklich nicht zu unseren Empfehlungen.

Die Autorin

E-Mail

m.ruhenstroth@mobilsicher.de

PGP-Key

0xAC27FCDCF277F1E4

Fingerprint

E479 C1CD 0FC9 E373 A4B3 F5DB AC27 FCDC F277 F1E4

Miriam Ruhenstroth

Projektleiterin. Miriam Ruhenstroth hat mobilsicher.de seit Beginn des Projektes begleitet – zuerst als freie Autorin, später als Redakteurin. Seit Januar 2017 leitet sie das Projekt. Davor arbeitete sie viele Jahre als freie Technik- und Wissenschaftsjournalistin.

Weitere Artikel

Ratgeber 

Wie sicher sind Internetverbindungen von Apps?

Wer über Smartphone oder Tablet im Internet surft, möchte sich keine Gedanken darüber machen, ob der Tischnachbar im Café gerade die Suchanfragen mitliest. Das geht nur, wenn die Apps ihre Verbindungen ins Internet verschlüsseln.

Mehr
Ratgeber 

Fernzugriff: Mobilgeräte löschen und sperren

Smartphone geklaut oder verloren? Dann können sensible Daten in falsche Hände gelangen. Zahlreiche Sicherheits-Apps versprechen die Komplettlöschung des Geräts aus der Ferne. Wir erklären, wie man diese Programme richtig nutzt und wo ihre Grenzen liegen.

Mehr
Browser und Suchmaschinen 

DuckDuckGo: Suchen ganz ohne Google

Die Suchmaschine DuckDuckGo finanziert sich durch Werbung, verzichtet dabei aber ganz auf Google-Dienste. Ihren Such-Index bildet sie aus vielen verschiedenen alternativen Quellen. In einigen Browsern können Sie DuckDuckGo mit nur einem Klick als Standard-Suchmaschine festlegen.

Mehr
Kostenfallen 

Unbekannte Kosten auf der Handyrechnung

Wenn auf der Handyrechnung plötzlich Kosten auftauchen, von denen man nicht weiß, woher sie kommen, ist guter Rat teuer. Denn nicht selten stecken professionelle Betrüger dahinter. Was kann man gegen solche Forderungen tun? Wie können Nutzer vorbeugen?

Mehr